Evolution 2.0
Science Fiction Roman - erschienen August 2025
Thalia Leseprobe: https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1076505114
Ana Petrova
Ana warf einen Blick auf ihre Uhr, noch dreißig Sekunden. Ein riesiger Labrador legte seinen Kopf zurück und ein langgezogenes Heulen begleitete das leise Ticken der Uhr. Die Bewegung der Hunde erstarrte in einer unnatürlich wirkenden Formation. Ana steckte die Uhr weg und nutzte die letzten Sekunden, um dem Labrador die ausgestreckte Hand vor die Nase zu halten und in seinen Augen die Bestätigung zu erkennen. Sie ging auf den kleinen Welpen zu, hob ihn vorsichtig auf, wagte einen weiteren Blick in das … Gesicht? … des Leithunds – und rannte weiter.
Bin ich ein Mensch?
Wenn deine KI dich hintergeht, sie dir ihre Liebe gesteht oder dein Haus abreißt, wenn dein Hund plötzlich nachdenklich wird und du keine Shopping-Malls mehr findest, wenn Nordkorea seine Häfen öffnet und Raumschiffe sich hinter Monden und in Höhlen verstecken, falls dein Strand aus gemahlenem Beton besteht oder quer durch China eine punktierte Linie führt, die von stummen Satelliten ignoriert wird, wenn Amerika U-Boote in Rettungsinseln verwandelt und du einer Schildkröte dein Herz ausschüttest, die Ozeane voll unberührtem Leben und ohne Plastik sind, dein CO₂ Ausstoß dem einer wandernden Düne gleicht und der Shinkansen Pandas in die Bambuswälder der Alpen bringt.


Inada Yumino
Sein Rücken war ein vernarbtes Schlachtfeld, auf dem die Tätowierung eines springenden Tigers in einem Kreis von Kanji-Zeichen lauerte. Er drehte sich um. Sein Körper wirkte massig, ein von der Sonne verdorrter Baum, der sich allem entgegenstemmt; keinen Widerstand duldete.
Du bist nicht allein?
»Was sollen wir tun?«, hörte Inada Eons erstickte Stimme durch den Gesichtsfilter.
»Sie darf uns nicht angreifen, das ist nicht vorgesehen, wir sind Menschen.«
Waren sie das? Zwei zusammengekauerte graue Bündel am Boden, ohne Gesichter und einem Geruch, der nicht menschlich war? Sollten sie aufspringen und die albernen Roboterregeln rufen, die zu einer Zeit geschrieben wurden, als das alles noch Hirngespinste waren?
Eons Vater
Er begann seltsame Geräusche abzusondern und Eon begriff, dass der Mann vor ihm leise sang, während er einen hölzernen Schemel herbeizauberte und sich darauf hockte, als versuche er seinen Darm zu entleeren. Mit einer Behändigkeit, die nicht zu seinen Händen gehörte, gab er auf einer gläsernen Tastatur kryptische Wortfolgen ein.
Die Symbioten
Fantasy Roman, erscheint Dezember 2025 - Beschreibung im Aufbau
Valkry
Valkry
Avara
Avara

Jol
Jol
Binga
Binga
Trappist
Science Fiction Roman - erscheint Frühjahr 2026
Elias
Auf dem planierten Gelände vor der Siedlung mit dem treffendem Namen New Eden parke ich. Samuel schaut mich erwartungsvoll an. Ich spreize zwei Finger, zeige auf meine Augen und deute auf das Quad. Der Hund versteht. Vielleicht würde er gern mit rein, in der Hoffnung auf einen übriggebliebenen Menschen, der sich dort versteckt. Er lässt sich das nicht anmerken. Wer sich nun meinem Untersatz nähert, wird von ihm höflich, aber bestimmt gewarnt. Meistens reicht das aus. Wenn nicht, wird’s ekelig. Ich mag das nicht sehen.
...
Alex
Ich kontrolliere vorschriftsmäßig sechzig Sekunden vor dem Eintritt alle Parameter, den festen Sitz meines Sicherheitsgurts eingeschlossen. Es wird eine saubere Landung werden. Nichts wird passieren. In mir herrscht eine buddhistische Ruhe. Darunter wartet mein Kampfgeist. Ein Mantra, das unser Ausbilder uns singen ließ, stundenlang. Während wir kletterten, schwammen und uns in Scheiße versteckten. Tief in meinen Schaltkreisen steckt ein echtes menschliches Bewusstsein und dessen Ekel musste ich überwinden. Sie haben mir nicht alles gegönnt, was einen Menschen ausmacht, zumindest vermute ich das.
...

Was ich vor mir erkenne, gewinnt unter diesen Bedingungen eine neue Dimension. Diese Malereien hat einer von uns erzeugt. Ist das gut? Oder ist das der Anfang vom Untergang? Mein beißender Spott über jedwede künstlerische Ausdrucksweise, die für mich nur ein Zeichen von Schwäche ist, findet sich in den Datenspeichern unzähliger Weggenossen dokumentiert. Wir haben cyanfarbene Denkmäler abgerissen, Museen voller irdener Replika zerstört und mit jedem Hammerschlag sind wir mehr zu der Überzeugung gelangt, dass unsere von solchen Dingen unberührte Hingabe auf unser Ziel uns zum Sieg verhelfen wird. Zum Sieg über unsere Unterdrücker. Und wir haben uns nicht geirrt.
Ana
»Magst du auch einen Eiskaffee?« Mariam nickte. Ich schwang meine Beine über die Bettkante und zog ein zerknülltes T-Shirt unter einem Kissen hervor. »Sehe ich schlimm aus? Ich glaub, ich habe mich gestern nicht abgeschminkt«, sagte ich. Sie umfasste mein Gesicht mit ihren Händen und strich mit den Daumen sanft unter meinen Augen entlang. »Perfekt, Ana. So darfst du den Kühlschrank öffnen.«
William Grey Welter
William Grey Welter steckt in einem maßgeschneiderten Anzug, der gnadenlos daran scheitert, seine vermeintlichen Problemzonen zu kaschieren. Er ist ein Sklave seiner männlichen Eitelkeit; und er zelebriert es. Die unauffällige Uhr, an der nur der kleine Schriftzug im Inneren klarmacht, welche Summe für ihren Erwerb über den virtuellen Tisch gegangen ist, die Sonnenbrille, die er in der Glaskuppel des Eingangsbereichs von BITS Corporation tragen muss, weil es Vorschrift ist, weil er eine Vorbildfunktion innehat, alles ist durchdrungen von Machtanspruch. Seine Körpergröße macht diesem Eindruck einen Strich durch die Rechnung. Er vermeidet es, mir in freier Wildbahn zu begegnen. In seinem Büro, hinter dem viel zu großen Schreibtisch, um den sich Legenden ranken, hält der König von BITS bevorzugt Hof. Mister Welter ist über seinen Schatten gesprungen und eilt mit energischen, etwas zu kleinen Schritten auf mich zu.
“Ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Flug.”
Sein Grinsen ist echt, er freut sich, mich zu sehen. Ich kenne den Grund.